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MANIFESTO

29 June 2010

Vorteile einer wettbewerbsfähigen europäischen Kupferindustrie

Kupfer und seine zahlreichen Legierungen zeichnen sich aus durch gute Verarbeitbarkeit, lange Lebensdauer, uneingeschränkte Recycelbarkeit sowie überragende technische Eigenschaften wie hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit.

Daher überrascht es nicht, dass viele Technologien, die Europas zukünftige Wettbewerbsfähigkeit mitbestimmen werden, nicht ohne Kupfer auskommen.

Da Kupfer die Energieeffizienz verbessert, den Energiebedarf senkt und erneuerbare Technologien ermöglicht, leistet es einen wesentlichen Beitrag zu einem nachhaltigen Klimaschutz. Die Klimaziele 20/20/20 der EU können nur durch die verstärkte Nutzung von Kupferprodukten erreicht werden.
Ein Beispiel: Auf Elektromotoren entfallen etwa 60 % des industriellen Strombedarfs. Die vollständige Umsetzung der EU Verordnung 640/2009 bezüglich der Festlegung von Anforderungen an umweltgerechte Elektromotoren macht eine 50%ige Erhöhung des Kupferanteils in den Motorwicklungen erforderlich. Die sich daraus ergebende Energieeinsparung von 135 TWh/Jahr ist höher als der jährliche Stromverbrauch von Finnland und Griechenland zusammen. Gleichzeitig können so jährlich 63 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden.
Ein anderes Beispiel: Wenn jeder EU‑Bürger für die Erzeugung von Warmwasser 1 m² Solarkollektorfläche nutzen würde, ließen sich 80 Millionen Tonnen CO2-Emissionen im Jahr einsparen.

Auch die Vision eines Verkehrssystems mit geringerem CO2-Ausstoß, bestehend aus erschwinglichen Hybrid- und Elektroautos, die an intelligente Stromnetze (Smart Grids) angeschlossen sind, sowie einem Netzwerk aus Hochgeschwindigkeitszügen, lässt sich nur mit Kupfer verwirklichen: So enthält ein Hybrid-Pkw 50 kg Kupfer für den Elektromotor, die Batterie und die Kabel. Jeder Hochgeschwindigkeitszug benötigt 10 Tonnen Kupferwerkstoffe sowie weitere 10 Tonnen pro Streckenkilometer für die Strom- und Kommunikationskabel. Strom aus erneuerbaren Energien und die dezentrale Infrastruktur zu ihrer Einspeisung und Nutzbarmachung erfordern deutlich mehr Kupfer als eine zentrale Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen.

Die Kupferindustrie investiert ständig in innovative Technologien, um so die ökologische und wirtschaftliche Leistung sowie die Ressourceneffizienz ihrer Produkte zu verbessern. Dies spielt auch eine wichtige Rolle bei der Verwendung von Kupfer in der Informationstechnologie und hat dazu beigetragen, dass das digitale Zeitalter Wirklichkeit wurde. Ein sehr präsentes Beispiel für Ressourceneffizienz sind hierbei die hauchdünnen Hochleistungs-Kupferlegierungen, die erst die Miniaturisierung alltäglicher Gegenstände wie Handys, Computer, Kameras und tragbarer Musikgeräte möglich gemacht haben.

Eine Innovation aus der jüngeren Vergangenheit ist die Nutzung der natürlichen antimikrobiellen Eigenschaften von Kupfer für Kontaktflächen. Unabhängige Untersuchungen an Krankenhäusern in Großbritannien, den USA und Chile haben ergeben, dass die Zahl der Mikroorganismen auf den Kupferkomponenten im Vergleich zur Kontrollgruppe um mehr als 90 % geringer war. Im Rahmen eines in den USA durchgeführten Versuchs wurden weder MRSA (Multi-Resistenter-Staphylococcus-Aureus) noch VRE (Vancomycin resistente Enterokokken) auf den Kupferoberflächen gefunden. Führende Mediziner sind davon überzeugt, dass Kupfer die Bemühungen, die Zahl der Krankenhausinfektionen zu senken, wirksam unterstützen kann. Zurzeit treten in der EU jedes Jahr ca. 4 Millionen sogenannter nosokomialer (krankenhausbürtige) Infektionen auf, von denen etwa 37.000 tödlich verlaufen.

Einer der größten Vorteile von Kupfer ist zweifellos seine unbegrenzte Recycelbarkeit ohne jeden Qualitätsverlust. Im Jahre 2008 wurden 40 % des Kupferbedarfs der EU – etwa 4,6 Millionen Tonnen – durch das Recycling von Schrotten und Produktionsabfällen aus der nachgelagerten Wertschöpfungskette gedeckt. Das macht Kupfer zu einer der nachhaltigsten natürlichen Ressourcen. Da für den Recyclingprozess lediglich 20 % der Energie benötigt werden, die sonst für die Primärproduktion erforderlich sind, konnten so in 2008 die CO2-Emissionen der EU um 650.000 Tonnen gesenkt werden.

Soziale Verantwortung, Marktkräfte und EU‑Richtlinien waren Anlass für beträchtliche Investitionen der Kupferindustrie. Diese Mittel wurden verwendet, um den eigenen Energieverbrauch zu optimieren, die Umweltbelastung zu verringern und Prozessverfahren zu entwickeln, die das Recycling immer komplexerer Produkte am Ende ihrer Gebrauchsphase, wie z.B. von Elektro- und Elektronikschrott, erlauben. Diese Fortschritte sind in den BREF-Dokumenten (dt. BVT = Beste verfügbare Techniken) im Rahmen der Richtlinie über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IPPC) genau dokumentiert. In der EU gibt es die saubersten und energieeffizientesten Kupferhütten der Welt. Obwohl seit 1995 30 % des Energieverbrauchs für den Umweltschutz aufgewendet werden (z.B. für Luftfilter und zur Abwasserbehandlung), hat sich der Energieeinsatz pro Produktionstonne um 54 % verringert. Darüber hinaus beträgt die Schwefeldioxidemission nur 8 % des weltweiten Durchschnitts.

Damit die europäische Kupferindustrie auch weiterhin in der Lage ist, die beschriebenen Produkte zu liefern und in Innovationen zu investieren, benötigt sie regulatorische Rahmenbedin­gungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen.

Die Metallpreise werden global an den Rohstoffbörsen festgesetzt, während sich die Betriebskosten nach den jeweiligen lokalen Verhältnissen richten. Dadurch entsteht für die Unternehmen in der EU ein klarer Nachteil, denn sie werden im Vergleich zum weltweiten Wettbewerb mit höheren Kosten für Arbeitskräfte, Umweltschutz und der dritten Phase des Emissionshandels (ETS) konfrontiert.

Die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa sollten mit denen in anderen Regionen der Welt vergleichbar sein – insbesondere mit den Regionen, in denen die Vorteile von Kupfer jetzt eine wichtige Rolle für das wirtschaftliche Wachstum spielen. Etwa 50 % des europäischen Kupfers wurden 2008 importiert. Ohne eine starke europäische Industriepolitik dürfte dieser Anteil in Zukunft steigen. Die Produktionsverlagerung ins Ausland wird zunehmen, und das Recycling wird in Ländern erfolgen, in denen die Rückgewinnungsrate niedriger ist und die Gesundheits- und Umweltschutzbestimmungen weniger streng sind.

Im Einklang mit den im Mai 2009 getroffenen Beschlüssen des Europäischen Rates sieht die europäische Kupferindustrie nur eine Lösung: Die EU muss Rahmenbedingungen schaffen, die für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Anforderungen an die Nachhaltigkeit und die Wettbewerbsfähigkeit sorgen. Nur in einem solchen Umfeld kann die Industrie auch in Zukunft Innovationen entwickeln, wachsen und Arbeitsplätze sichern. 50.000 Fachkräfte in der europäischen Kupferindustrie sollten ein überzeugendes Argument darstellen. Millionen Menschen, die in den unterschiedlichsten Bereichen wie Fahrzeugbau, Energieversorgung, Transport, Bauwesen und Informationstechnologie arbeiten, sind von wettbewerbsfähigen, in Europa produzierten Kupferwerkstoffen und -erzeugnissen abhängig. Und nicht zuletzt werden alle 500 Millionen Bürger, die in der EU leben, von den vielen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen der auf Kupfer basierenden Produkte und Anwendungen profitieren.

Voraussetzungen für eine ausgewogene EU-Wirtschafts- und Umweltpolitik

o      Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit Europas vor dem Hintergrund der Energie- und Klimapolitik gewährleisten

Ohne eine globale Klimavereinbarung, die übereinstimmende Zielsetzungen und Fristen für alle wichtigen Nationen vorsieht, kann sich die Kupferindustrie einseitige, kostensteigernde Maßnahmen nur bei entsprechendem Ausgleich leisten. Wenn im Rahmen des Emissionshandelssystems (ETS) keine kostenlosen Rechte für direkte CO2-Emissionen vergeben werden und kein angemessener Ausgleich für indirekte CO2-Kosten erfolgt, ist die Industrie nicht in der Lage, mit Regionen außerhalb der EU zu konkurrieren. Das Kupfer, das in Europa benötigt wird, wird dann anderswo produziert. Diese Produktionsverlagerung wird zu einem höheren Energieverbrauch führen, der sich wiederum weltweit negativ auf die Umwelt auswirkt, sowie in Europa den Verlust von Arbeitsplätzen zur Folge haben. Hinzu kommt, dass die Energiepreise in Europa gegenwärtig zu den höchsten der Welt gehören. Ein gesamteuropäisches Energienetzwerk sowie ein echter Binnenmarkt für Energie würden den Wettbewerb positiv beeinflussen und zu niedrigeren Preisen für Verbraucher und Industrie beitragen.

o     Den gerechten Zugang zu den für die Kupferproduktion benötigten Rohstoffen sichern

Da die EU 50 % ihres Kupferbedarfs über Importe decken muss, ist es unerlässlich, dass die Europäische Kommission den gerechten Zugang sowohl zu primären als auch zu sekundären Rohstoffen sicherstellt. Damit sich die europäischen Produzenten besser auf dem Weltmarkt für primäre Rohstoffe (Erze und Konzentrate) behaupten können, hier prognostiziert die International Copper Study Group ein Wachstum von 4 % pro Jahr,

sind in Bezug auf Umwelt- und Energiekosten gleiche Wettbewerbsbedingungen erforderlich.

Für sekundäre Rohstoffe (Schrotte) müssen die Sammelsysteme in ganz Europa erweitert werden. Es müssen eindeutige Kriterien, die das Ende der Abfalleigenschaft (end-of-waste) festlegen, definiert werden. Außerdem bedarf es einer strikteren Durchsetzung der EU‑Abfallverbringungsverordnung. In beiden Fällen müssen auch für den Einkauf von Kupferrohstoffen gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Jedoch wird durch Exportbeschränkungen sowie Importsubventionen, die bestimmten Produzenten im internationalen Markt einen Einkaufsvorteil verschaffen, der Wettbewerb zunehmend verzerrt.

o     Lebenszyklusmethoden bei der Folgenabschätzung verstärkt anwenden

Für die Produktion von Kupfer wird Energie benötigt. Durchschnittlich entsteht bei der Herstellung einer Tonne Primärkupfer eine einmalige Emission von drei Tonnen CO2. Kupfer kann jedoch beliebig oft recycelt werden, wobei nur 20 % der für die Primärproduktion benötigten Energie aufgewendet werden. Studien, die im Rahmen der EU Ökodesign-Richtlinie (EUP) durchgeführt wurden, haben aufgezeigt, dass 95 % aller ökologischen und wirtschaftlichen Folgen während der Benutzungsphase eines Produktes auftreten. So spart dieselbe Tonne Kupfer, die in einer strombetriebenen Komponente verwendet wird, z. B. in einem Motor mit einer üblichen Lebensdauer von 20 Jahren, jedes Jahr 200 Tonnen CO2. Diese Fakten müssen bei der Umweltverträglichkeitsprüfung unbedingt Berücksichtigung finden.

o     Innovationen durch die Förderung von F&E und die Berücksichtigung von Effizienzkriterien bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen

An Ressourcen- und Energieeffizienz orientierte Kriterien bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen und des europäischen Umweltzeichens unterstützen die Entwicklung von innovativen, nachgelagerten Anwendungen auf Kupferbasis. So müssen angemessene Betriebskosten während der gesamten Lebensdauer und nicht nur der Anschaffungspreis berücksichtigt werden. Mehr Beachtung sollte auch die Beteiligung an der Finanzierung von Grundlagenforschung für vorgelagerte Prozesse finden, die dazu beitragen, dass der Energieverbrauch weiter gesenkt und die Metallrückgewinnung durch Schrottrecycling erhöht wird. Diese Maßnahmen könnten zur Stärkung der Umwelttechnik-Branche in der EU führen, immense Energieeinsparungen für den öffentlichen Sektor realisieren und die Abhängigkeit Europas von Importen verringern.

o     Verknüpfung der Umweltgesetzgebung mit wichtigen Richtlinien wie REACH und IPPC

Die europäische Kupferindustrie nimmt ihre Pflichten sehr ernst, wenn es darum geht, einem immer komplexeren Gesetzesrahmen zu genügen, z.B. der EU-Chemikalienverordnung REACH, der Wasserrahmenrichtlinie, der Richtlinie über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IPPC), dem Emissionshandelssystem (ETS), den Abfallregelungen sowie der Nachhaltigkeit bei Produktion und Verbrauch. Im Zuge der Vorbereitung auf REACH hat die Industrie kürzlich 8 Millionen Euro für eine umfassende wissenschaftliche Studie ausgegeben, die die potenziellen Risiken für Mensch und Umwelt durch die Herstellung und Verwendung von Kupferwerkstoffen untersuchen sollte. Nach gründlicher Prüfung durch die Kommission und die Mitgliedstaaten wurden im Jahr 2009 das Risikobewertungsdossier und seine Schlussfolgerungen genehmigt. Darin heißt es, dass „Kupfer einen essentiellen Nahrungsbestandteil für Menschen und lebende Organismen darstellt und die Verwendung von Kupfer im Allgemeinen sicher für die Umwelt und die Gesundheit der Bürger in Europa ist“. Trotz dieser Genehmigung verwenden einige gesetz- und normengebende Organe der EU und ihrer Mitgliedstaaten andere Daten und Analysen. In der Regel bedeutet dieses abweichende Vorgehen eine zusätzliche Belastung für die Industrie und ihre Produkte. Die europäische Kupferindustrie fordert daher, dass die Vorteile einer solchen Abweichung von den in der IPPC Richtlinie festgelegten besten verfügbaren Techniken (BAT), den Schlussfolgerungen der Risikobewertung und den REACH-Standards anhand einer ausgewogenen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Analyse belegt werden müssen.

Heute ist die europäische Kupferindustrie eine innovative, gut geführte und nachhaltige Industrie. Sie arbeitet mit den Institutionen der EU zusammen, um die Schaffung der oben genannten Bedingungen voranzutreiben und zum Wohle zukünftiger Generationen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Bedürfnissen Europas und der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sicherzustellen.

Über das ECI:

Das European Copper Institute (ECI) ist ein Joint Venture zwischen den weltweit führenden Kupferminenbetreibern, den Betreibern von Hütten- und Halbzeugwerken (vertreten durch die International Copper Association, Ltd.) und der europäischen Kupferindustrie. Seine Aufgabe ist es, mit Hilfe des Büros in Brüssel und einem Netzwerk von elf nationalen Kupferinstituten die Vorteile von Kupfer für die moderne Gesellschaft in Europa zu fördern.


Werner T. Traa
Mitglied des Vorstands der Wieland-Werke AG und Chairman of the Board des European Copper Institute

Stefan Boel
Mitglied des Vorstands der Aurubis AG und Vice-Chairman of the Board des European Copper Institute

John Schonenberger
Chief Executive des European Copper Institute